ReportAPIs treiben digitalen Umbau voran

[05.07.2022] Sopra Steria und PUBLIC haben einen umfassenden Report zu Interoperabilität und APIs publiziert. Demnach tragen geeignete Programmierschnittstellen dazu bei, die Innovationskraft junger Govtech-Unternehmen beim digitalen Umbau der öffentlichen Verwaltung besser einzubinden.

Sopra Steria und das Govtech-Unternehmen PUBLIC haben einen Report erstellt, der sich mit der Interoperabilität von IT-Lösungen und den dafür nötigen Programmierschnittstellen (APIs) im Public Sector befasst. Demnach könnten digitale Innovationen in der öffentlichen Verwaltung beschleunigt werden, sobald mehr Interoperabilität durch API-Schnittstellen geschaffen wird. APIs ermöglichen den automatischen Austausch von Daten über System- und Organisationsgrenzen hinweg. Im E-Commerce ist deren Einsatz laut Sopra Steria gang und gäbe und auch im Bankensektor seien APIs seit der Umsetzung der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 auf dem Vormarsch. In der öffentlichen Verwaltung hingegen würden sie bislang nur sporadisch genutzt, kaum systematisch nachgehalten und nur selten für externe Unternehmen geöffnet. Das habe zur Folge, dass Unternehmen und Behörden viele ihrer neu entwickelten Lösungen oder Tools nicht deutschlandweit ausrollen können.

Innovationskraft von Start-ups besser nutzen

Damit Dienste, die etwa in Hamburg entwickelt wurden, in Bayern nachgenutzt werden können, müssen die Systeme dieser Länder miteinander kommunizieren. Durch eine Öffnung der Systeme könnten außerdem GovTech-Start-ups dem digitalen Umbau in der Verwaltung mehr Schwung geben. Die öffentliche Verwaltung würde dann noch stärker vom kreativen Denken und Schaffen externer und interner Akteure profitieren, sagt Andreas Simon, Client Unit Partner im Geschäftsbereich Public Sector bei Sopra Steria. Laut Report bewertet allerdings mehr als die Hälfte der 24 befragten GovTech-Unternehmen den Stand der Interoperabilität zwischen öffentlichem Sektor und Start-ups als „eher negativ“ oder sogar „sehr negativ“. Teilweise müssten Fachverfahren und technische Schnittstellen in jedem Bundesland oder jeder Kommune neu implementiert werden. Das mache die Entwicklung für viele Unternehmen unwirtschaftlich.

Hoffnungsträger API-First

Die Start-ups hoffen auf die stringentere Umsetzung des so genannten API-First-Ansatzes. Jedes vierte für den Report befragte GovTech-Unternehmen sieht hierin den Schlüssel, um die Zusammenarbeit mit Bund, Ländern und Kommunen und damit ihr Geschäft auszubauen. Das Bundesinnenministerium (BMI) und der IT-Planungsrat haben in ihren 2017 und Ende 2021 beschlossenen IT-Architekturrichtlinien die Förderung und Nutzung öffentlicher APIs und des API-First-Ansatzes auf den Weg gebracht (wir berichteten). Die Klärung der konkreten Ausgestaltung steht allerdings noch aus, erläutert Sopra Steria.
Bei starte die öffentliche Verwaltung ihren Weg in das API-Zeitalter nicht, erklärt wiederum Ronald de Jonge, Operating Officer Public Sector bei Sopra Steria. Denn Schnittstellen kommen bereits in der internen und externen Zusammenarbeit zum Einsatz. Sie basieren allerdings intern und extern auf verschiedenen Standards, entsprechen oft nicht den Richtlinien des BMI und IT-Planungsrats und seien für Externe nicht zugänglich. Beim Übergang ins API-Zeitalter könnten die GovTech-Start-ups unterstützen: Über zwei Drittel der befragten Unternehmen würden gerne in die API-Umsetzung und das Definieren von Standards eingebunden werden. So ließen sich die Anforderungen der öffentlichen Verwaltung und der Start-ups besser aufeinander abstimmen.

Von Anderen lernen

Mit Standards und einer zentralen Koordinierungsstelle für öffentliche APIs kann die öffentliche Verwaltung stärker von verwaltungsinternen und externen Innovationen profitieren. Das bekräftigt auch der Blick ins Ausland: Sopra Steria und PUBLIC haben für den Report Fallstudien in Frankreich, Großbritannien, Italien und Singapur analysiert, wo die API-Förderung bereits gestartet ist. Ein breites Bewusstsein in sämtlichen Verwaltungsteilen über die Wichtigkeit der Interoperabilität sei dort für den Transformationsfortschritt von großem Vorteil.
Der Report empfiehlt deshalb, in Deutschland API-Guides zu schaffen. So könnten Verwaltungsangestellte besser über API-Konzepte, -Mehrwerte und -Praktiken informiert werden, erklärt Moritz Kleinaltenkamp, Lead für Intelligence & Insights bei PUBLIC. In Großbritannien gäbe es beispielsweise eine große öffentliche Datenbank solcher API-Guides.
Fehlende Governance könne wiederum leicht in einem API-Wildwuchs enden, der die Zusammenarbeit der GovTech-Start-ups mit der Verwaltung erschwere. Das zeige das Beispiel Singapur, wo die Verantwortlichen den Schritt der Standardisierung inzwischen nachholen. Sopra Steria empfiehlt für Deutschland ein zentrales Team mit innerbehördlichem Auftrag, das bestehende APIs identifiziert, katalogisiert und die Entwicklung von Standards vorantreibt.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Die neue Digitalstrategie des Freistaats Bayern sieht mehr als 200 Digitalisierungsmaßnahmen vor.

Bayern: Ein Jahr Zukunftskommission

[28.03.2025] Die Zukunftskommission #Digitales Bayern 5.0 hat ihren aktuellen Bericht vorgelegt. Unter Leitung des Finanz- und Heimatministeriums erarbeiten Ministerien, Kommunalverbände und Experten Lösungen für eine einheitlichere, effizientere und sicherere IT in Bayerns Kommunen. mehr...

Hamburg: Digitale Steuererklärung kommt voran

[26.03.2025] In Hamburg können Steuerpflichtige ihre Belege direkt online hochladen und effizient zuordnen. Zum Einsatz kommt das neue Verfahren RABE. Nach der erfolgreichen Pilotphase in Hamburg soll noch 2025 der bundesweite Roll-out erfolgen. mehr...

Rheinland-Pfalz: Preiswürdige Nachnutzung von Onlinediensten

[21.03.2025] Rheinland-Pfalz wurde für seine EfA-Strategie bei der OZG-Umsetzung mit dem govdigital-Sonderpreis ausgezeichnet. Besonders gewürdigt wurde die erfolgreiche Nutzung des Marktplatzes für EfA-Leistungen, der Kommunen die Nachnutzung von Onlinediensten erleichtern soll. mehr...

Bayern: Zusammenarbeit im Prozessmanagement

[21.03.2025] Bayern tritt der von Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und dem Bund gegründeten, bundesweiten Plattform zum Prozessmanagement in der Verwaltung bei. Deren Ziel ist es, Arbeitsabläufe vor ihrer Digitalisierung zu analysieren und digitale Standards der Verwaltung zu harmonisieren. mehr...

Aus Code-Bausteinen neue Anwendungen zusammensetzen.

ZenDiS: Souveränitätspaket präsentiert

[17.03.2025] Das Zentrum für Digitale Souveränität erweitert sein Angebot um Beratung und einen Souveränitätscheck für den Public Sector. Letzterer soll Abhängigkeiten aufzeigen und die Beschaffung absichern. Zudem zeigt die Plattform openCode nun die Softwarequalität transparent an. mehr...

Baden-Württemberg: Frischzellenkur für die Landesplanung

[14.03.2025] Ein neues Landesgesetz soll in Baden-Württemberg die Aufstellung von Raumordnungsplänen erleichtern. Künftig sollen Verfahren schneller und rechtssicherer werden – auch dank digitaler Lösungen. Unter anderem wird die Onlinebeteiligung ausgebaut. mehr...

Digitalminister irk Schrödter, daneben sein Zitat: "Mithilfe von Open-Source-Software sind öffentliche und gemeinnützige Organisationen in der lage, flexibler und digital souverän zu handeln."

Schleswig-Holstein: „Offene Innovation“ geht in die nächste Runde

[11.03.2025] Das schleswig-holsteinische Landesprogramm „Offene Innovation“ will gemeinnützige und öffentliche Organisationen in Zusammenarbeit mit der heimischen Digitalwirtschaft bei der Entwicklung quelloffener digitaler Lösungen unterstützen. Ab April können wieder Konzepte eingereicht werden. mehr...

Arbeitsrunde aus etwa 20 Personen mit Laptops an Konferenztischen in einem holzgetäfelten Saal.

DIN SPEC 66336: Qualitätsstandards für digitale Verwaltungsleistungen

[10.03.2025] Die DIN SPEC 66336, die erstmals Qualitätsanforderungen für digitale Verwaltungsleistungen festlegt, wurde jetzt verabschiedet. Verwaltungen und ihre Dienstleister erhalten damit ein Werkzeug, das die Entwicklung und Umsetzung von intuitiv und einfach nutzbaren Digitalisierungsprojekten erleichtern soll. mehr...

Historischer Marktplatz und Rathaus mit Stufengiebel in Bremen.

Bremen: Kulturfördermittel digital beantragen

[07.03.2025] Bremen digitalisiert die Kulturförderung: Anträge für die zweite Fördertranche der Jungen Szene können jetzt online gestellt werden. Der neue Service soll das Verfahren effizienter und transparenter machen – und könnte als Modell für weitere Bereiche der Kulturverwaltung dienen. mehr...

BMI: Feedbackkomponente bundesweit verfügbar

[03.03.2025] Alle Bundesländer und SDG-relevanten Bundesressorts sind nun an die Nationale Feedback-Komponente angeschlossen. Diese erlaubt es Verwaltungen, systematisch Nutzerfeedback zu erfassen und auszuwerten – ein Schritt zur Erfüllung von SDG-Vorgaben. mehr...

Cover der drei Projektberichts-Teile.

Beschaffungsamt: Dienstleistungen nachhaltig beschaffen

[25.02.2025] Die nachhaltige Beschaffung von Dienstleistungen sollte der Regelfall sein – ist in der Praxis jedoch oft sehr komplex. Die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung (KNB) beim Beschaffungsamt hat nun eine umfassende Hilfestellung für Beschaffende aller Ebenen veröffentlicht. mehr...

Blick auf das Hamburger Rathaus

IT-Planungsrat: Neuer Bericht zur Datennutzung

[19.02.2025] Beim Jahresauftakttreffen des IT-Planungsrats zum Schwerpunktthema Datennutzung diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Bund, Ländern und Kommunen aktuelle Fortschritte und kommende Projekte. Der jetzt vorliegende Jahresbericht bietet dazu einen detaillierten Überblick. mehr...

Ein unscharf dargestellter Mann mit weißem Hemd und grünlicher Krawatte hält zwei Karten vor sich. Auf der linken steht das Wort Procurement, auf der rechten eine symbolische Illustration für "Beschaffung".

OSBA: Beschaffung von Open Source Software

[14.02.2025] Bei öffentlichen Ausschreibungen zählt meist der niedrigste Preis. Im Fall von Open Source Software ist dies oftmals zum Schaden des Auftraggebers: Sicherheits- und Wartungsprobleme drohen, wenn Anbieter zu knapp kalkulieren. Die OSBA hat ein Paper zur nachhaltig erfolgreichen Beschaffung veröffentlicht. mehr...

Sachsen-Anhalt: Ideen für digitale Verwaltung gesucht

[12.02.2025] Das Land Sachsen-Anhalt sucht erneut innovative Ideen für die digitale Verwaltung. Gefragt sind digitale Konzepte und Modelle für die vielfältigen Aufgaben der öffentlichen Verwaltung. Bewerbungen sind bis 14. März möglich. mehr...

Bayern: Hardware für den Freistaat

[10.02.2025] Bayern investiert über 40 Millionen Euro in moderne IT-Ausstattung für die Verwaltung. Rund 80.000 energieeffiziente Geräte sollen Arbeitsplätze in staatlichen Einrichtungen nachhaltig zukunftsfähig machen. Die Auswahl der Anbieter erfolgte nach strengen Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien. mehr...